1Welche Arten von Blitzern gibt es?
Der Begriff Blitzer-Arten umfasst zwei Dimensionen: das Messverfahren, wie Radar, Laser, Weg-Zeit, Induktionsschleifen und die Aufbauform, also stationär, mobil, teilstationär. Es gibt stationäre und mobile Blitzer-Typen, die sich in Funktionsweise, Einsatzort und Fehleranfälligkeit deutlich unterscheiden.
Der Begriff Blitzer-Arten umfasst zwei unterschiedliche Kategorien:
- Gerätetypen und Einsatz: Es gibt stationäre und mobile Blitzer-Typen, die sich in Funktionsweise, Einsatzort und Fehleranfälligkeit deutlich unterscheiden.
- Messverfahren: Wie wird die Messung durchgeführt, hierzu zählen Radar, Laser, Weg-Zeit oder Induktionsschleifen als gängige Verfahren.
Blitzer dienen der Überwachung von Geschwindigkeitsüberschreitungen, Abstands- und Rotlichtverstößen und bilden die Grundlage für Bußgeld, Punkte und Fahrverbot. Wichtig: Blitzer können falsche Messergebnisse liefern – und genau solche Messfehler sind für einen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid relevant.
2Blitzer-Arten: Stationäre Blitzer und Mobile Blitzer
Stationäre Blitzer
Der bekannteste stationäre Blitzer für die Geschwindigkeit ist der Starenkasten. Ältere Modelle messen per Radar oder über Sensoren in der Fahrbahn, also Piezo-Kabel oder Induktionsschleifen.
Neuere Messsäulen arbeiten meist mit Lasermessverfahren. Das mittlerweile meist verbreitetste Verfahren ist das LIDAR (Light Detection and Ranging) Verfahren
Innerorts werden stationäre Blitzer vor allem an Unfallschwerpunkten sowie vor Schulen und Kitas eingesetzt. Außerorts sind es meistens gefährlichen Kreuzunge oder Autobahnabschnitte. Stationäre Blitzer müssen regelmäßig geeicht werden, damit die Messung verwertbar ist. Ist die Eichung abgelaufen, kann das Bußgeld angreifbar sein.
Mobile Blitzer
Zu den mobilen Blitzern gehören klassische Radarfallen, die in einem Koffer, auf einem Stativ am Fahrbahnrand, in einem zivilen Polizeifahrzeug aufgebaut werden oder Handlasermessgeräte. Häufig messen mobile Geräte die Geschwindigkeit per Lasertechnik. Da sich mobile Blitzer flexibel an wechselnden Kontrollstellen einsetzen lassen, kommen sie für Autofahrer oft überraschend und wirken dadurch besonders abschreckend.
Blitzeranhänger / Enforcement Trailer
Weitere Blitzer-Typen sind Blitzeranhänger, auch Enforcement Trailer genannt. Diese Blitzer-Art gilt als teilstationär, denn sie kann flexibel umgesetzt werden, arbeitet jedoch ähnlich wie fest installierte Anlagen.
Die Anhänger sind mit Laser-Messtechnik ausgestattet und laufen über Akkus. So können sie mehrere Tage bis Wochen an einem Ort messen, ohne dass Beamte dauerhaft vor Ort sein müssen. Gegen Vandalismus sind sie gepanzert und durch Alarmanlagen gesichert.
Viele Geräte erfassen mehrere Fahrstreifen gleichzeitig. Typische Einsatzorte sind Autobahnbaustellen, Landstraßen mit hohem Unfallrisiko und Tunnelausfahrten. Wie alle Blitzer müssen auch Blitzeranhänger geeicht sein.
3Verschiedene Messverfahren bei den Blitzer Arten
Blitzer mit Laser Messtechnik
Das meistverbreitete Laser Messerverfahren ist das LIDAR (Light Detection and Ranging) Verfahren.
Bei der Lasermessung (Lidar) sendet das Gerät unsichtbare Lichtimpulse aus und ermittelt die Geschwindigkeit aus der Laufzeit der reflektierten Signale. Laserscanner wie PoliScan erfassen mehrere Fahrspuren und beide Fahrtrichtungen gleichzeitig, Handlasermessgeräte dagegen nur ein gezieltes Fahrzeug. Fehleranfällig ist vor allem die Zuordnung: Trifft der Strahl den Spiegel oder ein anderes Fahrzeug, wird der falsche Wagen gemessen. Auch eine fehlende Schulung des Messbeamten kann die Messung angreifbar machen.
Radar Blitzer
Radargeräte senden Funkwellen aus, die vom Fahrzeug reflektiert werden. Aus der Frequenzverschiebung des Echos (Doppler-Effekt) errechnet das Gerät die Geschwindigkeit. Die Geräte arbeiten im K- oder Ka-Band und werden stationär oder mobil eingesetzt. Fehler entstehen vor allem durch einen falschen Aufstellwinkel oder durch Reflexionen an Verkehrsschildern, Leitplanken oder anderen Metallflächen, die das Signal ablenken.
Videonachfahrsysteme (ProViDa im Polizeifahrzeug)
Bei einer Videonachfahrmessung fährt ein ziviles Polizeifahrzeug hinter dem Betroffenen her und filmt die Fahrt. Das System ProViDa koppelt das Video mit einem geeichten Wegstreckenzähler und blendet die Geschwindigkeit direkt ins Bild ein.
Fehleranfällig ist vor allem der Abstand: Verringert er sich während der Messung, war die Polizei schneller als das verfolgte Auto. Auch ein Reifenwechsel ohne neue Eichung verfälscht den Messwert.
Abschnittskontrolle
Die Abschnittskontrolle erfasst nicht die Geschwindigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern berechnet die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine längere Strecke. Dazu zeichnen Kameras das Kennzeichen sowohl bei der Einfahrt als auch bei der Ausfahrt des Streckenabschnitts auf. Anhand der zurückgelegten Strecke und der benötigten Fahrzeit wird die Geschwindigkeit ermittelt.
Wer kurz vor der Kamera bremst, gewinnt nichts, denn gewertet wird nur der Schnitt über die gesamte Strecke.
Rotlichtblitzer
Rotlichtblitzer sind an die Ampel gekoppelt. Induktionsschleifen im Asphalt erkennen, wenn ein Fahrzeug eine rote Ampel überfahren hat, und lösen die Kamera aus. Für die Strafe zählt, wie lange die Ampel zu diesem Zeitpunkt schon rot war. Bei weniger als einer Sekunde liegt ein einfacher Rotlichtverstoß vor: 90 Euro und 1 Punkt in Flensburg. War die Ampel länger als eine Sekunde rot, ist es ein qualifizierter Rotlichtverstoß mit 200 Euro, 2 Punkten und einem Monat Fahverbot.
Abstandsblitzer
Abstandsblitzer stehen meist auf Autobahnbrücken. Kameras filmen den Verkehr und erfassen dabei Geschwindigkeit und Abstand. Wer zu dicht auffährt, riskiert Bußgeld und Punkte.
Die Videoauswertung kann sehr fehleranfällig sein. Ordnet die Software das falsche Fahrzeug zu oder verzerrt die Kameraperspektive den Abstand, ist die Messung angreifbar.
4Welche Geräte gehören zu welchem Blitzer-Typen?
Die wichtigsten Blitzer-Typen im Überblick.
Gerätetyp
Messverfahren
Messgeräte (Hersteller)
Stationär
Radar (Doppler)
Traffipax SpeedoPhot (Jenoptik), TraffiStar S540 (Jenoptik), Mesta 208 (Idemia), M5 Radar (VDS)
Stationär
Piezo-Sensoren in der Fahrbahn
TraffiStar S330 (Jenoptik), TraffiPhot S (Jenoptik), Truvelo M4² (Truvelo), VDS M5 Speed (VDS)
Stationär
Laserscanner (Lidar)
TraffiStar S350 (Jenoptik), PoliScan Speed (Vitronic), PoliScan F1 HP (Vitronic)
Stationär
Lichtschranke
ESO ES 8.0 (eso)
Mobil
Radar (Doppler)
Multanova 6F (Multanova), Traffipax Micro-Speed 09 (Jenoptik), Traffipax Speedoguard (Jenoptik)
Mobil
Laserscanner / Video-Laser
PoliScan M1 HP (Vitronic), Leivtec XV2 (Leivtec), Leivtec XV3 (Leivtec)
Mobil
Lichtschranke
ESO µP80, ESO ES 1.0, ESO ES 3.0, ESO LS4.0 (alle eso)
Handmessgerät
Handlaser (Lidar)
LAVEG (Jenoptik), TraffiPatrol (Jenoptik), TraffiPatrol XR (Jenoptik), LTI 20.20 TS/KM (Laser Technology Inc.), Riegl FG21-P (Riegl), Riegl LR90-235/P (Riegl), Laser Patrol
Nachfahrsystem
Weg-Zeit (Video + Wegstreckenzähler)
ProViDa 2000, ProViDa ViDistA, Police-Pilot (alle Police-Pilot)
5Was tun, wenn ich geblitzt wurde?
Erst handeln, wenn Post von der Bußgeldstelle kommt. Solange eine schriftliche Nachricht von Der Bußgeldstelle nicht angekommen ist, gibt es normalerweise keinen direkten Grund zu handeln.
In der Regel kommt ein Anhörungsbogen. Angaben zur eigenen Person, etwa Name, Anschrift und Geburtsdatum, müssen korrekt gemacht werden, zum Tatvorwurf besteht dagegen grundsätzlich keine Pflicht zur Stellungnahme. Auch Angaben dazu, wer das Fahrzeug gefahren hat, müssen im Rahmen der eigenen Anhörung nicht gemacht werden.
Der Ratgeber Anhörungsbogen ignorieren erklärt, welche Folgen entstehen können, wenn der Anhörungsbogen nicht zurückgesendet wird. In manchen Fällen wird kein Anhörungsbogen verschickt und der Bußgeldbescheid direkt zugestellt.
Nach der Zustellung des Bußgeldbescheids bleiben grundsätzlich 14 Tage Zeit, um Einspruch einzulegen. Maßgeblich ist hier der Tag der Zustellung (Datum auf dem gelben Zustellumschlag) Wird die Einspruchsfrist versäumt, wird der Bescheid grundsätzlich rechtskräftig.
Eine Überprüfung des Bußgeldbescheids kann besonders sinnvoll sein, wenn Punkte in Flensburg drohen, ein Fahrverbot angeordnet wurde oder der Führerschein beruflich benötigt wird, etwa für den Arbeitsweg, im Außendienst oder als Berufskraftfahrer.
Fehler bei der Geschwindigkeitsmessung, eine falsche Zuordnung des Fahrers sowie wichtige Mängel im Bescheid Können als Gründe für einen Einspruch dienen. Ob ein solcher Einspruch Erfolg haben kann, hängt von den besonderen Umständen des Einzelfalls ab.
6Blitzer-Apps & Radarwarner: Was ist erlaubt, was nicht?
Blitzer-Apps und Radarwarner sind während der Fahrt in Deutschland verboten. Grundlage ist § 23 Abs. 1c StVO: Wer ein Fahrzeug führt, darf kein Gerät betreiben oder betriebsbereit mitführen, das Verkehrskontrollen anzeigt oder stört.
Ein klassischer Radarwarner fällt immer darunter, weil er nur diesen einen Zweck hat. Bei Smartphones und Navigationsgeräten ist das Gerät selbst erlaubt, die Warnfunktion aber nicht. Die Blitzer-App darf also installiert sein, während der Fahrt aber nicht laufen, und beim Navi muss die Radarwarner-Funktion ausgeschaltet bleiben.
Wer erwischt wird, zahlt 75 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg. Ein Radarwarner kann zusätzlich von der Polizei eingezogen werden.
Auch der Umweg über den Beifahrer ist riskant. Wird die App genutzt, um den Fahrer gezielt vor Blitzern zu warnen, kann dies als Verstoß des Fahrers gewertet werden. Erlaubt bleiben Blitzerwarnungen im Radio sowie die Planung einer Route anhand bekannter Blitzerstandorte vor Fahrtbeginn. In beiden Fällen kommt während der Fahrt kein Gerät zum Einsatz, das aktiv vor Blitzern warnt.