1Geblitzt außerorts: Ab welcher Geschwindigkeit gibt es Punkte oder ein Fahrverbot?
Außerorts gibt es Punkte in Flensburg ab 21 km/h zu viel und ein Fahrverbot regulär ab 41 km/h – bei Wiederholung schon ab 26 km/h. Bei geringeren Überschreitungen bleibt es beim Bußgeld.
Außerhalb von Ortschaften gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h – es sei denn, über die Beschilderung ist etwas anderes vorgegeben. Gerade in besonderen Gefahrenbereichen, wie einmündenden Nebenstraßen, wird die erlaubte Geschwindigkeit oft auf 70 km/h reduziert. Zudem beeinflusst die Bauart der Fahrzeuge, wie hoch außerhalb geschlossener Ortschaften die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ist.
Laut § 3 Abs. 3 StVO (Straßenverkehrsordnung) gilt für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Zudem hat auch die Witterung Einfluss darauf, welche Geschwindigkeit zugelassen ist. Bei einer Sichtweite von weniger als 50 Metern muss diese auf 50 km/h angepasst werden. Was passiert, wenn Autofahrer außerorts geblitzt werden und dabei deutlich zu schnell sind?
Generell werden bei jeder Geschwindigkeitskontrolle Messtoleranzen von dem gemessenen Tempo abgezogen. Dabei wird einmal zwischen dem Messverfahren und der Geschwindigkeit unterschieden. Bis 100 km/h gilt ein Abzug von drei km/h, darüber von drei Prozent. Bei Autofahrern, die mit einem ProVida-Gerät gemessen werden, sind es fünf km/h oder fünf Prozent (wenn die Grenze von 100 km/h überschritten ist).
Je nach Umfang der Geschwindigkeitsüberschreitung greifen gestaffelte Strafen, die mit Verwarnungsgeldern beginnen und sich über:
steigern. In letzter Konsequenz droht sogar die Entziehung der Fahrerlaubnis. Dazu kommt es, sobald ein Fahrer insgesamt acht Punkte in Flensburg erreicht. Ein einzelner Tempoverstoß außerorts reicht dafür meist nicht aus, wohl aber zusammen mit früheren Eintragungen.
Verwarnungsgeld vs. Bußgeld: Welche Konsequenzen sind schmerzhafter?
Verstöße, die im Rahmen einer Geschwindigkeitsmessung festgestellt werden, gehen an die zuständige Bußgeldstelle. Hier wird festgelegt, was passiert, wenn es geblitzt hat und Sie außerorts zu schnell waren. Bis zu einem erhöhten Tempo von 15 km/h kommen Sie mit einem „blauen Auge“ davon. Hintergrund: Die Geldstrafe laut Bußgeldkatalog liegt hier unter 55 Euro. Damit wird ein Verwarnungsgeld verhängt, Autofahrer erhalten quasi eine Gelbe Karte.
Tabelle mit den Geldstrafen und Sanktionen für einen Blitzer außerorts:
Überschreitung (km/h)
Bußgeld (Euro)
Punkte in Flensburg
Fahrverbot (Monate)
bis 10
20
0
0
11 - 15
40
0
0
16 - 20
60
0
0
21 - 25
100
1
0
26 - 30
150
1
1**
31 - 40
200
1
1**
41 - 50
320
2
1
51 - 60
480
2
2
61 - 70
600
2
2
über 70
700
2
3
* Wird von Autofahrern die Geschwindigkeit von 26 km/h (oder höher) innerhalb von 12 Monaten wiederholt überschritten, kann laut Bußgeldkatalog bereits hier das Fahrverbot von 1 Monat verhängt werden.
Geringfügige Überschreitungen der erlaubten Geschwindigkeit haben noch keine fahrerlaubnisrechtliche Konsequenz. Wer das Verwarnungsgeld innerhalb der gesetzten Frist (meist eine Woche) bezahlt, hat den Blitzer erledigt. Für das Verwarnungsgeld gibt es eine Besonderheit. Autofahrer können keinen Einspruch einlegen. Wer dagegen vorgehen will, lässt die Zahlungsfrist verstreichen, die zuständige Behörde erlässt daraufhin einen Bußgeldbescheid.
2Welche Konsequenz haben die Punkte für den Blitzer?
Als Autofahrer müssen Sie – wenn es geblitzt hat und außerorts eine zu hohe Geschwindigkeit gemessen wurde – bei einer Überschreitung ab 21 km/h mit Punkten in Flensburg rechnen. Deren Eintragung kann aus Fahrersicht ernste Konsequenzen nach sich ziehen. Es droht im schlimmsten Fall der Entzug der Fahrerlaubnis. Entscheidend ist, wie viele Punkte Sie bereits gesammelt haben.
Zusammenfassung der Konsequenzen der Eintragungen in Flensburg:
1-3 Punkte – keine Folgen für die Fahrerlaubnis,
4-5 Punkte – Ermahnung durch die zuständige Behörde,
6-7 Punkte – Verwarnung und Empfehlung zur Teilnahme an einem Seminar,
8 Punkte – Entziehung des Führerscheins.
3Geblitzt in der 70er-Zone außerorts: Beispielrechnung
In einer 70-km/h-Zone zählt nur, was nach Toleranzabzug übrig bleibt. Mit 100 km/h geblitzt sind es nach Abzug von 3 km/h rund 27 km/h zu viel, das kostet 150 Euro und einen Punkt. Bei 90 km/h (17 km/h zu viel) werden 60 Euro fällig, noch ohne Punkt.
Viele Geschwindigkeitskontrollen außerorts finden in auf 70 km/h reduzierten Bereichen statt. Die folgende Übersicht zeigt typische Fälle nach Abzug der 3-km/h-Toleranz:
Gemessen (70-Zone)
Nach Toleranz (−3)
Überschreitung
Bußgeld
Punkte / Fahrverbot
80 km/h
77 km/h
7 km/h
20 €
0 / –
90 km/h
87 km/h
17 km/h
60 €
0 / –
95 km/h
92 km/h
22 km/h
100 €
1 / –
100 km/h
97 km/h
27 km/h
150 €
1 / – (1 Monat bei Wiederholung)
110 km/h
107 km/h
37 km/h
200 €
1 / – (1 Monat bei Wiederholung)
Erst ab 41 km/h zu viel kommt ein reguläres Fahrverbot hinzu. In der 70er-Zone also ab einer bereinigten Geschwindigkeit von 111 km/h.
4Geblitzt außerorts: Wie kann ich mich gegen den Bußgeldbescheid wehren?
Autofahrer werden schnell geblitzt und sind außerorts zu schnell gewesen. Wird der Bußgeldbescheid zugestellt, gibt es die Möglichkeit des Einspruchs. Damit können Betroffene der Anschuldigung widersprechen und erreichen, dass die Bußgeldstelle den Bescheid noch einmal prüft. Je nach Ergebnis bleibt das Bußgeld bestehen, wird abgeändert oder ganz fallengelassen.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Einhaltung der zweiwöchigen Einspruchsfrist. Innerhalb dieser muss der Einspruch zur Niederschrift bei der zuständigen Stelle oder schriftlich eingelegt werden. Die Einspruchsfrist beginnt mit der Zustellung des Bußgeldbescheids. Wichtig: Da ein Bußgeldbescheid in der Regel mit einer Zustellurkunde verschickt wird, kennt die Behörde den Zustelltag sehr genau.
5In der Probezeit geblitzt außerorts: Welche Konsequenzen hat das?
Wer seinen Führerschein erhält, unterliegt als Fahranfänger einer Probezeit. Diese beläuft sich regulär auf zwei Jahre und ist mit Konsequenzen für den Fall verbunden, dass Ordnungswidrigkeiten begangen werden. Eine Geschwindigkeit ab 21 km/h wird als A-Verstoß gewertet.
Sobald Fahranfänger geblitzt werden und außerorts deutlich zu schnell sind, droht neben der Verlängerung ihrer Probezeit auf vier Jahre ein kostenpflichtiges Aufbauseminar. Die Teilnahme daran ist verpflichtend und muss nachgewiesen werden. Kommt es wiederholt zu Verstößen, zieht die Führerscheinstelle nach dem dritten A-Verstoß die Fahrerlaubnis ein.
Häufige Fragen zu „Geblitzt außerorts”
Lohnt sich der Einspruch, wenn ich geblitzt wurde und außerorts zu schnell war?
Hier sind die individuellen Rahmenbedingungen entscheidend. Ein Bußgeld ohne Punkte bzw. wenn es sich um die ersten Punkte handelt anzufechten, lohnt sich nur bei klar erkennbaren Formfehlern. Drohen hohe Geldstrafen, Fahrverbote oder die Entziehung des Führerscheins, sollte in jedem Fall eine fachanwaltliche Bewertung stattfinden.
Wann muss ich ein Fahrverbot aus einem Blitzer antreten?
Handelt es sich um einen Ersttäter, kann innerhalb von vier Monaten nach Rechtskraft der Beginn des Fahrverbots frei gewählt werden. Hierdurch ist es möglich, die Zeit mit privaten und beruflichen Belangen unter einen Hut zu bringen. Wer als Autofahrer bereits negativ aufgefallen ist, hat diese Möglichkeit nicht. Das Fahrverbot ist mit einem rechtskräftigen Bußgeldbescheid anzutreten.
Muss ein Blitzer immer mit einem gewissen Abstand zu Verkehrsschildern aufgestellt werden?
Nein, es gibt hier keine pauschale, bundeseinheitliche Regelung. Die Länder haben aber mitunter Festlegungen getroffen, dass Geschwindigkeitsmessungen erst mit einem gewissen Abstand zu Verkehrsschildern aufgestellt werden dürfen, welche das Tempo regeln.
Timo Schell ist Rechtsanwalt mit Sitz in Frankfurt und spezialisiert auf Verkehrsrecht. Als Autor zahlreicher Artikel im helpcheck Ratgeber und Lexikon bringt er fundiertes juristisches Fachwissen ein, insbesondere zu Bußgeldbescheiden. Mit seiner Erfahrung unterstützt er Leser dabei, rechtliche Hintergründe besser zu verstehen und gezielt gegen unrechtmäßige Bescheide vorzugehen.
Lutz Hartmann ist Rechtsanwalt mit Sitz in Düsseldorf und spezialisiert auf Verkehrsrecht. Als Autor zahlreicher Artikel im helpcheck Ratgeber und Lexikon bringt er fundiertes juristisches Fachwissen ein, insbesondere zu Bußgeldbescheiden. Mit seiner Erfahrung unterstützt er Leser dabei, rechtliche Hintergründe besser zu verstehen und gezielt gegen unrechtmäßige Bescheide vorzugehen.
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